Lübecker Brandanschlag

Der Lübecker Brandanschlag war eines der verheerendsten Verbrechen der deutschen Nachkriegszeit. Der in der Nacht zum 18.1.1996 auf eine Flüchtlingsunterkunft in der Lübecker Hafenstraße verübte Anschlag forderte das Leben von sieben Kindern und drei Erwachsenen. 38 Personen wurden zum Teil schwer verletzt.

Als dringend tatverdächtig galten zunächst vier jugendliche Rechtsradikale, die unter anderem in der Nacht des Anschlags in unmittelbarer Nähe des Tatorts polizeilich kontrolliert worden waren. Rasch konnten zumindest zwei Verdächtige aus der Neonazi-Szene festgenommen werden. Einer der vier Rechtsradikalen, Maik Wotenow aus Grevesmühlen, gestand die Tat mehrfach und schilderte den Ablauf der Ereignisse explizit, widerrief sein Geständnis allerdings später.

Für Befremden sorgte indes die Inhaftierung des Libanesen Safwan Eid. Eid, der in der Flüchtlingsunterkunft lebte und bei dem Brand selbst Verletzungen davon getragen hatte, wurde seitens der Ermittlungsbehörden vorgeworfen, den Lübecker Brand im Zuge eines Familienstreits gelegt zu haben. 1997 wurde Eid vor dem Lübecker Landgericht der Prozess gemacht, der mit einem Freispruch aus Mangel an Beweisen endete. Auch aus dem Revisionsprozess, den der Karlsruher Bundesgerichtshof verfügt hatte, ging Eid als freier Mann hervor. Anschließend wurde der Fall als ungelöst zu den Akten gelegt.

Heute werden die Umstände vielfach als Versagen von Justiz und Ermittlungsbehörden bewertet. Mehrere in- und ausländische Pressestimmen warfen den Ermittlern vor, Handlanger der Politik zu sein, die die Gegenwärtigkeit der rechtsextremistischen Gefahr habe relativieren wollen.

Nach wie vor ist niemand für den Lübecker Brandanschlag bestraft worden. Die vier Neonazis sind bis heute auf freiem Fuß, obwohl Maik Wotenow zwei Jahre nach der Tat sein Geständnis wiederholte.

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