An der Art des Vorwurfs scheiden sich die Geister
"Bei den westeuropäischen Völkern ist es so, dass der Erzengel
hineinwirkt mit seinen Willensstrahlen, bei dem italienischen Volk in die Empfindungsseele,
bei dem französischen Volk in die Verstandes- und Gemütsseele, bei
dem britischen Volk in die Bewusstseinsseele, und bei dem deutschen Volk in
das Ich."
Das ist eines von zahlreichen Zitaten des Anthroposophen Rudolf Steiner (1861
bis 1925), welches zur Grundlage für die Behauptung, Steiner war rassistisch,
angeführt wird. An diesem Zitat wie an vielen anderen, die aus dem Werk
des Österreichers entnommen wurden, scheiden sich die Geister.
Beispielsweise scheint die Katalogisierung der Rassen in Schwarze mit „Triebleben“,
Gelbe mit „Gefühlsleben“ und Weiße mit „Denkleben“
den Vorwurf zu stützen, ebenso: „Der Keim zum Genie ist der arischen
Rasse bereits in ihre atlantische Wiege gelegt worden.“ Während die
einen auf den Rassismus-Vorwurf beharren, sagen die anderen, die Zitate sind
aus dem Zusammenhang gerissen, die Vorwürfe greifen nicht, u.a., weil Rassismus
dem Kerngedankens Steiners Anthroposophie, der Betonung der menschlichen Ich-Entwicklung,
widerspricht.